Vermenschlichung
Vermenschlichung des Hundes – was ist damit gemeint?
Der Begriff Vermenschlichung des Hundes wird häufig missverstanden. Gemeint ist damit nicht,
- einen kleinen Hund zu tragen,
- dem Hund Nähe und Schutz zu bieten,
- einen Hundemantel bei Kälte oder Regen zu verwenden,
- oder den Hund auf Sofa oder Bett schlafen zu lassen.
Diese Aspekte stellen keine problematische Vermenschlichung dar.
Wann wird Vermenschlichung problematisch?
Eine problematische – und potenziell gefährliche – Vermenschlichung liegt dann vor, wenn dem Hund menschliche Absichten oder moralische Motive zugeschrieben werden. Dazu gehören Annahmen wie:
- Der Hund habe „absichtlich etwas Böses getan“
- Er wolle den Menschen „ärgern“, „bestrafen“ oder „dominieren“
- Er handle bewusst gegen den Menschen oder missachte absichtlich ein Signal
- Der Hund habe den Menschen „enttäuscht“
Der Hund wird dabei als absichtsvoll handelnder Gegenspieler wahrgenommen. Diese Fehlinterpretation kann zu unangemessenen Reaktionen des Menschen führen.
Die Eskalationsfalle
Aus dieser Sichtweise kann eine sogenannte Eskalationsfalle entstehen:
Reagiert der Hund nicht wie erwartet, wird der Mensch lauter oder strenger. Bleibt die gewünschte Reaktion weiterhin aus, folgen häufig Korrekturen oder Strafen. Der Hund reagiert darauf mit Stresssignalen, Abwehrverhalten oder Aggression – was wiederum zu einer weiteren Eskalation seitens des Menschen führen kann.
Der Hund reagiert dabei nicht aus Trotz oder Boshaftigkeit, sondern auf das Verhalten des Menschen – aus seiner eigenen, für ihn logischen Perspektive. Je intensiver der menschliche Druck wird, desto intensiver fällt häufig auch die Reaktion des Hundes aus. Ein negativer Kreislauf kann entstehen, aus dem nur schwer wieder herauszufinden ist. Der Wiederaufbau von Vertrauen ist in solchen Fällen oft langwierig.
Wichtige Grundsätze
- Sobald wir dem Hund unterstellen, er handle absichtlich „gegen uns“, beginnt eine problematische Vermenschlichung.
- Hunde handeln stets für sich selbst und nie mit der Absicht, dem Menschen zu schaden.
- Auch eine enge, emotionale Bindung zum Hund ist kein Problem, solange sie auf Verständnis, Klarheit und Respekt basiert.
- Hunde zeigen Verhalten, das sich für sie lohnt – nicht, um jemanden zu provozieren oder zu bestrafen.
Hinweis zur Wahl einer Hundeschule oder eines Trainers
Leider wird auch heute noch teilweise mit aversiven Methoden gearbeitet. Dazu zählen unter anderem Leinenruck, Alphawurf oder körperliche Strafen. Solche Methoden erhöhen das Risiko von Stress, Angst und Eskalation.
Achten Sie daher genau auf die Arbeitsweise eines Trainers oder einer Hundeschule. Werden Sie zu Gewalt oder Einschüchterung angeleitet, ist es ratsam, auf Ihr Bauchgefühl zu hören und sich nach einer fachlich fundierten, gewaltfreien Alternative umzusehen.
Professionelles Hundetraining arbeitet ohne Eskalation und mit Respekt gegenüber Hund und Mensch.
