Lernen findet immer statt!

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Ihr Hund beobachtet Sie ganz genau! Er prägt sich Ihre Gestik, Mimik und sämtliche Ihrer Reaktionen sehr genau ein und kann Sie so perfekt einschätzen. Ihre Hundtrainerin erklärt Ihnen die Lerntheorie Hund. Hunde lernen anders als Menschen. Und doch gibt es viele Parallelen in der Hundeerziehung und in der Erziehung von Kindern. Lernen - auch kognitives Lernen -findet ein Leben lang statt - bei Hund und Mensch und bei allen Lebewesen! Lernen findet bewusst und unbewusst statt. Nichts ist ohne Bedeutung für Ihren Liebling! Wann soll man mit der "Ausbildung" des Hundes anfangen? Ich rate allen, bereits vom Tag des Einzuges ins neue Heim soll der Hund lernen, was Sie von ihm möchten und - ganz wichtig - was Sie von ihm NICHT möchten, dass er es später tut. Aber bitte nicht mit Drill, sondern mit Liebe, Ruhe und Konsequenz...

Im Leben eines Hundes gibt es während der Verhaltensentwicklung sogenannte Zeitfenster, in denen bestimmte Erfahrungen einen grösseren Einfluss auf die Entwicklung des Lebewesens haben als zu einer anderen Zeit. Wahrend bestimmter Entwicklungs-Abschnitte des einzelnen Tieres besteht innerhalb einer eingegrenzten Zeitspanne eine verstärkte Lernbereitschaft für spezifische Reize, Situationen und Verhaltensprogramme. Viele Hundehalter denken nun, dass genau während dieser Zeit der "Prägung" - des assoziativen Lernens - alles und jedes dem Hund gezeigt und beigebracht werden muss. Genau das ist aber gefährlich, denn auch negative Situationen - wir meinen es ja nur gut mit unserem Hund - prägen sich jetzt schneller ein und hinterlassen ihre Spuren. Oftmals reicht eine "Begegnung" aus, um beim Hund positive oder negative Gefühle hervorzubringen, und das für lange Zeit. Lassen Sie sich und Ihrem Welpen oder Junghund also Zeit! Ihr kleiner Liebling braucht nicht in den ersten Tagen bei Ihnen zu Hause schon alles kennen lernen. Gehen Sie gemeinsam durchs Abenteuer Leben! Auch nach diesen Zeitfenstern lernt Ihr Hund immer noch! Vielleicht etwas weniger schnell. Aber: Lieber langsamer positive Erfahrungen sammeln und dafür keine schlechten, als Sie bringen Ihren Hund - zwar gut gemeint, aber schlecht gemacht - in negative Situationen, die allzuoft Angst und Meideverhalten hervorrufen. Übrigens: Mein damals 10 Jahre alter Toby war noch so lernbegeistert, dass wir gemeinsam viele Hunde-Militaries bestreiten konnten und auch gut abschlossen!

Wie alt ist mein Hund?

Früher rechnete man für 1 Hundejahr = 7 Menschenjahre, aber das stimmt so nicht. Denn ein 1-jähriger Hund ist bereits geschlechtsreif und (voll) erwachsen und kann nicht mit einem 7-jährigen Kind verglichen werden.

Hundejahre (Echtzeit) Menschenjahre (vergleichbar)
3 Monate 3 Jahre
4 Monate 5 Jahre
6 Monate 10 Jahre
8 Monate 14 Jahre
12 Monate 16 Jahre
18 Monate 20 Jahre
2 Jahre 24 Jahre
3 Jahre 28 Jahre
4 Jahre 32 Jahre
5 Jahre 36 Jahre
6 Jahre 40 Jahre
7 Jahre 44 Jahre
8 Jahre 48 Jahre
9 Jahre 52 Jahre
10 Jahre 56 Jahre
12 Jahre 64 Jahre
14 Jahre 72 Jahre
16 Jahre 80 Jahre
18 Jahre 88 Jahre

Ab dem 11. und 12. Hundejahr beschleunigt sich der Alterungsprozess sehr schnell, doch wie bei den Menschen gibt es auch bei den Hunden "junge" und "alte" Sechziger. Grosse Hunde werden schneller alt als kleine! Wenn Sie mit Ihrem Welpen/Junghund einen Monat nicht trainieren, ist es so, wie wenn Sie ca. 1 Jahr lang nicht mit ihm trainiert haben - oder ein Kind 1 Jahr lang nicht in die Schule ging...

Wie lernt mein Hund?

Lernen findet über Verknüpfung im Gehirn statt. Damit der Hund Übungen lernt, müssen diese öfters wiederholt werden, und das mit Erfolg für den Hund! So bilden sich "Strassen" im Gehirn. Je dicker diese "Verbindungs-Strassen" sind, um so besser ist die Speicherung. Wir können uns das so vorstellen, dass am Beginn des Trainings ein schmaler Trampelpfad entsteht, der mit wiederholtem Training langsam zu einem Weg, einer Strasse, einer Autobahn wird. Das bedeutet aber auch, dass ein lange geübtes Fehlverhalten länger braucht, um wieder "gelöscht" zu werden im Gehirn.

Da gibt es das angeborene Verhalten, das nicht gelernt werden muss. Dann gibt es zu erlernendes Verhalten, das gesteuert wird von Erfolg - Misserfolg; Neugierde; Art der Motivation oder des Reizes. Dies sind die Verhaltensweisen, die wir mit unseren "Kommandos" oder Hör- und Sicht- Zeichen dem Hund beibringen. Und bei diesem Punkt gibt es auch ganz verschiedene Wege zum besseren oder schlechteren Erfolg.

Wie trainiere ich richtig mit meinem Hund? Wo ist Lob, wo ist Strafe angesagt? Ich persönlich arbeite nur über positive Verstärkung (Lob, Futter etc.), und meine Strafen zeigen sich im Ignorieren eines unerwünschten Verhaltens. Ich drehe mich von Hund weg, wenn er mich anspringt, das ist schon Strafe genug für einen Hund. Jedes NICHT-Beachten ist für den Hund sehr negativ und damit eine Strafe. Diese Strafe soll aber sehr gezielt eingesetzt werden. Ein soziales Wesen, wie es der Hund ist, darf nicht generell ignoriert werden, nur weil wir grade mal unsere Ruhe haben wollen.

Ein Hund lernt über positive Erfahrung! Und diese Sachen, die ihm Erfolg in irgendeiner Form (Würstli, Lob, unser Lächeln...) bringen, wird er weiter zeigen. Genau so verhält es sich auch umgekehrt: Was dem Hund keinen Erfolg bringt, wird er nicht mehr so oft oder gar nicht mehr zeigen. Das bedeutet aber auch, dass unsere Hunde nicht verstehen, wenn wir z.B. einen Wutausbruch haben. Sie verbinden das ganz klar mit ihrem Verhalten. Und so werden wir für die Tiere unberechenbar. Ihr Vertrauen in uns wird schwinden. Der Hund lernt, uns zu meiden...

Der Hund lernt beispielsweise, an der Leine zu ziehen. Wenn er an der Leine zieht, kommt er vorwärts. Auch das ist Lernen! Und ein Hund braucht jemanden, der sich ziehen lässt. Oder haben Sie schon einmal einen Hund gesehen, der ohne Leine sein Frauchen oder Herrchen zieht? Benutzen Sie eine Flexi-Leine? Achten Sie einmal bewusst darauf, dass der Hund an der Roll-Leine immer einen leichten Zug verspürt und immer etwas ziehn muss, um vorwärts zu kommen...

Sie ziehen den Mantel an, und Ihr Hund hüpft wie ein Laubfrosch umher mit einem Riesen-Gebell? Ihr Liebling hat gelernt - ohne, dass Sie es ihm beibringen mussten - , dass Mantel-Anziehen das Aufbruchs-Signal zum Spaziergang nach draussen ist.

Verhaltens-Änderung ist nichts anderes als Lernen. Lernen, das Verhalten in eine andere Bahn zu lenken. Dabei wollen wir, dass der Hund das unerwünschte Verhalten langsam aber sicher ablegt und vergisst... Wir bieten dem Hund ein anderes Verhalten an. Nur das Fehlverhalten löschen, geht nicht!

 

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